Nach drei wunderschönen Tagen am Flussbett des Tagliamento (wir lieben es, an Flüssen zu stehen!), sind wir mit dem Regen aufgebrochen und haben einen halben Tag in einem Einkaufszentrum in Udine verbracht – Baumarkt, Hausschuhe kaufen, alle blinkenden Autos des Zentrums suchen, italienische Cappuccino genießen etc..
Heute kam die Sonne wieder raus und hat uns auf der Entdeckungstour durch Udine begleitet 🌞
Heute Abend auf Stellplatzsuche ist es dann passiert – Graben übersehen und Zack, fest, nix geht mehr. Diesmal wurde uns die Flusssehnsucht zum Verhängnis!
Doch Sam hat nicht aufgegeben, Spaten und GFK Sandbleche haben versprochenes geleistet und die Kinder super mitgemacht und da waren wir nach ca einer Stunde wieder draußen 😅
Der Tag danach – Sandbleche vom Matsch befreit und den super Stellplatz unterhalb von Udine zur Generalreinigung und zum Waschen und Basteln genutzt 💪🏼…und uns der Frage gestellt, wie es weiter gehen soll. Der ursprüngliche Plan, über Kroatien, Montenegro und Albanien zu fahren, hat sich zerschlagen. Über den Landweg nach Griechenland kommt man momentan nur via Bulgarien. Sollen wir das wagen? Das Risiko, dass eines der zu durchquerenden Länder (Kroatien, Bosnien Herzegowina, Serbien, Bulgarien)seine Einreisebestimmung kurzfristig ändert, ist in diesen Zeiten hoch. Dann plötzlich im Herbst/Winter im Balkan fest zu sitzen, erscheint uns wenig erstrebenswert.. somit haben wir die Pläne umgeschmissen und werden erstmal Italien erkunden und dann zu gegebenem Moment eine Fähre nach Griechenland nehmen und hoffen, Richtung Türkei und Georgien zu kommen. In diesen besonderen Zeiten muss man wirklich sehr flexibel sein. Alles möglich, alles gut, aber ein bisschen weh tut es schon.. ❤️
Wir sind Henrike (34) und Sam (34) und unsere Wirbelwind-Kinder Janosch (3,5) und Katinka (14 Monate), ein deutsch-niederländisches Gespann, das gerne lacht, lebt und liebt!
Kennengelernt haben wir uns 2012 während eines Einsatzes mit Ärzte ohne Grenzen in der demokratischen Republik Kongo. Ich war dort als Hebamme tätig, Sam als technischer Logistiker. Nach spannenden 9 Monaten, hat sich unsere Beziehung auch außerhalb der Einsatz-Blase bewährt und seit dem ziehen wir zusammen durchs Leben. Nach weiteren Einsätzen, viel Reisen und persönlichen Hochs und Tiefs, wurde der Traum nach einem fahrbaren Untersatz zum Weltendecken immer klarer. Ich selbst bin gefühlt in VW Bussen aufgewachsen und war immer viel reisen und abenteuerlustig. Was bei mir das Wohnmobil war, war bei Sam das Segelboot. Und auch hier gepaart mit sehr viel Abenteuerlust und Reiseerfahrung. Zunächst wollten wir eine alte Feuerwehr ausbauen. Haben dann aber erlebt, wie wenig Platz und Möglichkeiten diese oft bieten. Daraus entstand die Idee, den Aufbau komplett selbst du gestalten und zu bauen und Sam begann, während eines Einsatzes in der zentralafrikanischen Republik 2014/2015, mit den Zeichnungen unseres Traumautos. Die Himmelsrichtung der geplanten Reise war von Beginn an klar. Uns zieht es beide Richtung Osten, denn hier haben wir die wenigste Reiseerfahrung. Der Iran und Georgien haben es uns dabei am meisten angetan. Und wenn wir weiter träumen, stehen die Mongolei und Russland auch sehr weit oben auf der Sehnsuchtsliste..
2016 kauften wir in Strahlsund einen Baustellenkipper und fanden im Odenwald einen Bauernhof, der nicht nur Platz und Möglichkeiten für den Ausbau bot, sondern auf dem wir liebenswürdigerweise auch leben durften. Ich konnte als Hebamme im nahegelegenen Heppenheim arbeiten und genoss die Nähe zu meiner Familie an der Bergstraße.
Im Herbst 2016 begann Sam mit der Restauration des Kippers. Der Name Mulima war bald gefunden. Mulima bedeutet Berg auf Suaheli und war der Name der Base im Kongo – ein Berg von Arbeit, Schweiß und Liebe entstand!
Was in den folgenden drei Jahren geschah, könnt ihr in „ein Berg entsteht“ nachlesen.
Im Juni 2019 erlangten wir die langersehnte Umschreibung zum Wohnmobil und TÜV. Es folgte ein weiters Jahr des Finetunings im Allgäu und in Nord-Holland. Dann kam Corona und alle Pläne wurden mit einem großen Fragezeichen versehen. Nichts desto trotz sind wir nun unterwegs, frei von Plänen und Visastress und schauen, wie weit und vor allem wohin wir es schaffen – das Abenteuer kann beginnen!!
Wir verabschieden uns von den Dolomiten und fahren Richtung Udine. Es geht durch mehr und mehr italienisch anmutende, verwinkelte Dörfer, an blauen Seen vorbei, in tiefere Gefilde.
Es wird zunehmend wärmer, die ersten Palm- und Olivenbäume begrüßen uns und wir werden von einem ordentlichen Hagelsturm überrascht, der golfballgrosse Eisklumpen auf Mulima abfeuert. Wir suchen Schutz unter Bäumen und es bleibt alles heil. Es stehen einige Erledigungen an und so finden wir einen liebenswürdigen Reifenhändler, der unser zweites Ersatzrad wieder zurechtrückt und befüllt (Sam hatte die Ventilstellung geändert und es war schwieriger als gedacht, den Reifen wieder richtig auf die Felge zu bekommen), wir kaufen ein und tanken Wasser.
Am Ende des Tages finden wir erneut einen Traumplatz am Fluss Tagliamento in der Nähe von Pordenone.
Die Nacht ist sehr stürmisch und heute Morgen entdecken wir Schnee auf den Spitzen der Dolomiten – es war die richtige Entscheidung gewesen, weiter zu ziehen..
Wir haben uns gegen Berge und für Wärme entschieden und einen wunderschönen off-road Platz an der Piave bei Belluno gefunden. Zu Janoschs Freude mit Lagerfeuermöglichkeit, so konnten wir Stockbrot mit Grillkäse zum Abendessen machen 🔥
Eine nette Begrüßung gab es auch 😆Und ich konnte unsere Vase mit frischen Blumen aus dem “Vorgarten” füllen 😊
Es geht weiter durch die beeindruckenden Dolomiten, Mulima wird auf seine Bergtauglichkeit geprüft und ich auch 🙈 Sam erfreut sich zum Glück am Kurvenchaos und die Kinder schlafen meistens während der kurzen Strecken, die wir momentan fahren..
Wir haben einen tollen Stellplatz unterhalb der Marmolada an einem Stausee gefunden. Leider verstecken sich die atemberaubenden Berge meist in den Wolken und die Wettervorhersage für die kommenden Tage ist eher schlecht. Während wir überlegen, ob es weiter zu den drei Zinnen oder doch Richtung Udine geht, werden noch ein paar Steinburgen gebaut
Durch die Dolomiten fahrend, haben wir so viele Gondeln und Seilbahnen entdeckt, dass wir Janosch den Wunsch einer Seilbahnfahrt nicht mehr verwehren konnten. St Ulrich bot sich an und wir erreichten die Seilbahn nach ungeplanten Umleitungen durch das verwinkelte Dorf gerade noch rechtzeitig. Ab in die Gondel, Fahrt ins nebelige Wolkenfeld, kurze Wanderung auf den Gipfel und nach kurzer Zeit ein atemberaubendem Ausblick.
1495 km nach Istambul wurden uns am Gipfel angezeigt. Das wirft natürlich die Frage auf, ob wir es in diesen spannenden Zeiten bis in die Türkei schaffen, welche Grenzen offen sein werden und wie Menschen in Coronazeiten auf reisende Mitmenschen reagieren. Wir sind gespannt und nehmen die Herausforderung an!
Liebenswürdiger Weise durften wir dann für die Nacht noch am Seilbahnparkplatz stehen.
Nach einem wunderschönen, verrückten, liebevollen und auch tränenreichen Camper-Abschied mit unseren Eltern am Lech, machen wir uns tatsächlich zu viert auf Richtung Österreich und Italien.
Im Sommer 2014, nach einem Jahr voller Emotionen: Der Beginn eines neuen Lebens, der Verlust, die Distanz zu meiner großen Liebe, ihr mein Leben zu zeigen. So vieles am Anfang und so viele Träume.
Und da waren wir in dem Bus, den ich in einem früheren Leben gebaut hatte. Mit den gemalten Beweisen früherer Lieben. Und nun genieße ich ihn im Hier und Jetzt mit Henrike. Der Frau, die mich immer in und durch meine Träume begleiten wird. Ganz sicher, denn dies haben mir die nächtlichen Träume der letzten Jahre gezeigt. Die Bilder waren immer undeutlich, bis sie in der Nacht, bevor ich sie traf, klar wurden.
Da wusste ich …
Sie ist es.
Und dann liegst du da und fantasierst gemeinsam über die Zukunft. Mit der Reflektion des vergangenen Jahres.
Ich kenne sie noch nicht lange. Aber wir haben schon ein gemeinsames Leben hinter uns.
Kongo, Wanja.
Alles so pur, so echt … Und dann träumen wir so verliebt von der Zukunft! Fantastisch! Aber über eine neue Zukunft, mit größeren Plänen, weiter weg, mit einer Familie.
Wenig davon war im Bunte Bus möglich. Zumindest nicht mit unseren Wünschen:
Mehr Platz für die Nachwelt, ein privater Ort, um sich zu entspannen, eine Trennung zwischen unserem Bett und der Außenwelt.
Also kamen die Pläne!
Ein Feuerwehrauto war immer mein Traum.
Bis wir auf einen stießen. Die Familie darin lernten wir kennen. In dem gigantisch aussehenden Auto. Was für eine Enttäuschung. Das Auto dann.
Nun, Feuerwehrautos müssen natürlich unter jeder Brücke und durch jede Gasse hindurchfahren können. So schmal und niedrig … Ja, du kannst sie größer machen, aber dann …
Ich komme aus einer Familie, in der man mit seinen Händen erschaffen kann, was man möchte.
Nein, natürlich hatte ich noch nie geschweißt und wusste eigentlich nichts über Autos. Aber hey, das soll mich nicht davon abhalten, meine Träume wahr werden zu lassen.
Eine Idee war gepflanzt und wurde von dort aus immer mehr mit Input bewässert.
Ein Mercedes Sprinter fuhr vor mir und ich stellte fest, dass sie maximal 5 Tonnen tragen können.
Das war nicht genug Das Maximum, um ohne schwierige Hindernisse bequem fahren zu können, betrug 7,5 Tonnen. Das war also das Ziel.
So sind wir auf den Mercedes Vario gekommen.
Aber dann 4×4. Denn der bunte Bus hatte schon einige Male seine Grenzen gezeigt.
Jahre vergingen und der Traum wurde ein Plan und der Plan wurde in die Tat umgesetzt.
Bis wir endlich die begehrte TÜV Zulassung und Umschreibung bekamen und letzten Sommer von Igelsbach nach Geblatsried fahren durften. Jetzt nicht mehr zu zweit, sondern schon mit dreieinhalb.
In Geblatsried den ganze Sommer 2019 weiter gebaut, jetzt war es eilig. Ein Kind, das irgendwann zur Schule gehen muss und das andere, das noch geboren werden darf. Einfach im Bus, auf der Wiese, im Paradies.
Im Herbst sind wir alle in die Niederlande zurückgekehrt. Bauen im Vorgarten meiner Eltern weiter. Weil es noch so viel zu tun gibt und die Winter im Allgäu hart und lang sein können. Auch eine gute Gelegenheit für meine Eltern, meinen Nachwuchs besser kennenzulernen.
Und dann kam Corona.
Pfffff, alles verzögert sich noch einmal, aber eigentlich hat es mir gut gepasst.
Ich musste noch ein paar große Projekte abschließen, bevor ich dachte, wir könnten wirklich gehen.
Weil losfahren mussten wir.
Und so machten wir uns endlich auf den Weg.
Zuerst ein schöner Abschied in den Niederlanden von den meisten Freunden dort, obwohl es manchmal aufgrund von Abstandsregelungen und seltsamen Gesetzen etwas seltsam war.
Dann ein kurzer Zwischenstopp in Bensheim, um Henrikes letzte Sachen dort zu arrangieren und den Kühler von Mulima auszutauschen. Ich möchte lieber einen Motor, der nicht heißer als 100 Grad wird.
Und dann Mitte Juli zurück nach Geblatsried.
Was für eine Wärme auf Anhieb. So viele süße, feine Seelen zusammen! Und was für eine fantastische Gruppe von Freunden sie um sich haben. So warm und schön.
Aber es hat mich (und Henrike) auch gekitzelt, nicht zu lange dort zu bleiben. Ich wollte das Allgäu kennenlernen. Ich war letztes Jahr so lange dort, habe aber kaum etwas gesehen. Jetzt musste es anders sein.
Schnell regelten wir die notwendigsten Dinge und machten uns dann wieder auf den Weg. Mulima die Berge schmecken lassen, Offroad-Strecken kitzeln und den Menschen zeigen, was für einen Berg wir kreiert haben.
Die Baumhauers waren bereits in einem Sommerlager und brauchten zum Glück bald Brennholz und ein Reh. Wir konnten kommen und die Sachen bringen.
Gesagt, getan. Nelis halber Holzvorrat und ein schönes Stück Reh zusammen gepackt und wir fuhren zu ihrem utopischen Platz.
Angekommen an einem Ort voller Tipis, Zelte, Busse, Pferde, Kinder und anderer schöner Menschen, kann ich kaum das Lächeln von meinem Gesicht kriegen.
Dies ist in der Tat eine Utopie.
Julie und Neli hatten in den letzten Jahren bereits viel über dieses jährliche, vierzehntägige Treffen erzählt, aber es aus nächster Nähe zu erleben, kitzelte alle meine Sinne.
Wir waren nur ein paar Stunden dort, aber ich hatte das Gefühl, dass wir so reinpassen. Dies ist eine Lebenseinstellung. Ein Stil der Freiheit und Aufrichtigkeit, die ich mir wünsche.
Fröhlich genug, gab bereits viele bekannte Gesichter und es bedeutete auch die Bestätigung der Kontakte, die wir in den letzten Jahren hier im Allgäu bereits geknüpft hatten.
Dies ist ein guter Anfang für eine lange Reise. Die Einladung von vielen, die Möglichkeit immer wieder zurückzukehren, vielleicht in ein neues Zuhause.. Die kommenden Jahre werden zeigen, ob dies der Fall sein wird, aber es gibt trotzdem ein sicheres Gefühl.
Die folgenden Wochen waren mindestens so intensiv wie die wenigen Stunden im Sommerlager. Ich bin total verliebt in die Landschaft und die Menschen dort und weiß, dass mein Herz wieder ein bisschen reicher ist.
Es ist aber auch gut, weiterzugehen. Zu viert in neue Länder, neue Gebiete, neue Kontakte knüpfen, neue Kulturen entdecken.
Aber zuerst ein Zwischenstopp in Geblatsried, wo wir einen Kreis schließen konnten. Abby, Thijs, Boris und der kleine „Thebbor“ waren dort, um einen Eindruck von unserem Leben dort zu bekommen. Wunderbar, die Zeit mit ihnen zu haben, um zu lachen, zu weinen, zu philosophieren und Emotionen zu fühlen.
Der erste Abschied begann am Montag von Alisa, voller gemischter Gefühle, da es vielleicht 2,5 Jahre dauern könnte, bis wir uns wiedersehen. Dann Dienstag von Abby, Thijs und Boris. Solche schönen Menschen mit den gleichen Lebensideen, die auch so weit weg leben.
Und dann Mittwoch …
Der Tag war voller Emotionen. Seltsam, dieses Paradies auf unbestimmte Zeit zu verlassen.
Leckeres Essen mit allen Bewohnern, bereitgestellt von Philip, Pommes und Calamares ohne Ende.
Franky, der kurz vor der Abreise mit der Ankündigung vorbeikommt: “Was mir gerade passiert ist…”, Ein Set von Be Svendsen…. Ich musste es hören!
Aber dann laut. Über Mulimas Boxen.
Es begonn. Die Lautstärke stieg und Tränen rollten über meine Wangen.
Ich musste auf dem Dach tanzen und das lud natürlich alle Kinder ein. Dort tanzten wir, zu den schönen Klängen dieses magischen DJs.
Henrike hatte an diesem Tag einen Fotografenfreund eingeladen. Ein super liebe Frau, die unsere Geschichte inspirierend fand.
Sie wusste nicht, dass wir an diesem Tag abreisen würden. Aber wir fanden es eine gute Idee, wenn sie die wahren Emotionen auf Foto festhalten konnte.
Und so kam der Moment der Wahrheit. Wir mussten uns von diesen Zauberwesen verabschieden.
Wir verabschiedeten uns von allen und während das Be Svendsen-Set wieder gespielt wurde, beschlossen Julie und Neli, die ersten paar hundert Meter zu fahren.
Und sie stiegen alle ein.
Lotta, Mattea, Philip mit Anna und Michi, Frank mit Ida und Marina, Anna mit Nathan und Franky.
Die Musik wurde lauter. Die Lichter gingen an. Das Stromkabel wurde hochgehalten und mit Freude, Trauer und rollenden Beats begannen wir unsere Reise.