Welch wunderschöne Stadt!!! Wir sind verzaubert und streifen zwei Tage durch die verwinkelten Gassen, klettern zur tibetanischen Hängebrücke und sind uns sicher, dass wir hierher nochmal zurück kehren werden, um dann hoffentlich in einem der momentan geschlossenen Restaurants einen Aperetivo zu geniessen!
“Altertümliche Wohnbauten, Höhlensiedlungen an den Felsenhängen einer karstigen Hochebene. Ein tiefes und beeindruckendes Tal (Tobel), das von einem Gebirgsbach durchflossen wird. Dächer, die als Boden weiterer Wohnbauten dienen. Ein dichtes Netz an Gassen und der Eindruck in einer Krippe herumzulaufen. Das alles ist Matera, in der Basilikata, 2019 Kulturhauptstadt Europas, deren Felsenkirchen und die weltweit berühmten „Sassi“ – altertümliche, im Felsen gegraben Wohnsiedlungen – 1993 in die World Heritage List der UNESCO aufgenommen wurden.”
Wir verabschieden uns von der pitoresken Altstadt und da leider die Wasserpumpe der Heizung kaputt ist, steht ein Besuch des Baummarktes und grossen Supermarkts im Industriegebiet an. Dort parken wir, ohne es zu realisieren, vor den Lautsprechern des Gartencenters mit seiner gigantischen Weihnachtsausstellung. Die kommenden Stunden und dann noch die Vormittagsstunden des darauffolgenden Tages werden wir mit der grandiosen Weihnachtsplaylist des Gartencenters beschallt und Janosch ist überglücklich die SEHR weihnachtliche Ausstellung 3 x besuchen zu dürfen – und ich bekomme doch tatsächlich Weihnachtsstimmung….
Wir fahren weiter südlich durch das karge, felsige Basilikata mit seinen schönen Bergdörfern. Die Wasserfälle in San Fele sind wegen Covid leider abgeriegelt und auch in das malerisch in Felswände gebaute Castelmezzano lässt man uns nicht hinein, wir werden direkt an der Dorfeinfahrt von einem freundlichen Polizisten mit Aktentasche unter dem Arm gestoppt. Die Aussicht auf das abgeriegelte Städtchen haben wir zum Glück zuvor geniessen können. Beim Reisen an sich, der Stellplatzsuche und den normalen Erledigungen in kleineren oder grösseren Städten merken wir weiter nichts von den Covid bedingten Reisebeschränkungen. Wir stehen aber auch meistens sehr abgelegen, besuchen keine Restaurants und sind durch die Kinder abends eh in Mulima und dadurch von Sperrstunden oder ähnlichem nicht betroffen. Nur die Maskenpflicht im Freien tangiert uns und macht Städtebesichtigungen dadurch nicht wirklich attraktiver.. Aber zum Eis darf man die Maske ja abnehmen! Wir geniessen diese wenig besiedelte Provinz Italiens und Mulima bringt uns an wunderschöne Orte!
Stellplatz in der Nähe von CastelmezzanoCastelmezzanoGrassanoLago di San Giuliano (kurz vor Matera)
Unschlüssig wie es weiter gehen soll, haben wir beschlossen einfach langsam nach Süden zu fahren und die Situationen in den möglichen Reisezielen (Griechenland oder Sizilien) zu beobachten und dann zu gegebenen Zeitpunkt nach Osten oder Westen weiter zu reisen. Basilikata erscheint uns entspannt (trotz orangener Einstufung) und lockt mit einsamen Gegenden, Sehenswürdigkeiten und Meer – warum also nicht…
Unser erstes Ziel ist der Vulkansee Lago di Monticchio Grande. Es regnet, wir erledigen noch notwendige Einkäufe, die Wassersuche gestaltet sich schwierig und die Stimmung ist etwas am Kippen, als wir zunächst den erloschen Vulkan hoch und dann durch die spektakuläre Herbstlandschaft wieder herunter zum See fahren. Alles verlassen, zu und etwas gespenstisch. Wir fahren einmal um die zwei Seen auf der Suche nach einem schönen Stellplatz, sind am diskutieren, Katinka beginnt zu weinen, Janosch ist langsam genervt und wir auch. Es wird dunkel, also schrauben wir unsere Ansprüche herunter , wählen einen befestigten Waldweg aus, oh oder doch die angrenzende und scheinbar befestigte Wiese … und schon beim drauf fahren merken wir, dass diese doch etwas weicher als gedacht ist. Egal, jetzt stehen wir, erstmal durchatmen. Eine Runde raus, zum See laufen, etwas essen.. Und dann doch nochmal schauen, ob wir anders stehen können und da fangen die Räder an sich in die Wiese zu graben. Mist.. Sam versucht es noch mit unseren tollen GFK Blechen und beginnt schon mal zu graben, aber es regnet immer doller und ist mittlerweile dunkel. Naja, dann stehen wir heute eben etwas schief. Morgen ist ein neuer Tag..
Der nächste Morgen: Sam buddelt und füllt auf und gibt sein Bestes!Die Kinder helfen Kies zu sammeln. Mit Kies, Holz und Steinen versuchen wir aufzufüllen und Stabilität zu erlangen. Ein Mann hält zwischendurch und rät uns die Feuerwehr zu rufen. Noch ist der Stolz zu groß, aber am frühen Nachmittag sehen wir ein, dass wir vielleicht doch Hilfe brauchen. Es dauert nicht lang und die liebe, ansässige Feuerwehr kommt uns entspannt und freundlich zu Hilfe – für Janosch (und uns) ein Riesenspektakel!! Einige Versuche braucht es und letztendlich gelingt es mit unserem kinetischen Abschleppseil Mulima wieder auf festen Grund zu befördern. Was für ein Abenteuer…
Die Feuerwehrmänner freuen sich über ein Stück des selbst gebackenen Schokokuchens des Vorabends, wir packen ein und finden im Hellen, nur wenige hundert Meter weiter einen super Stellplatz direkt neben einer Wasserquelle und entdecken von hier aus die fantastische Herbstlandschaft im Vulkan!
Wir fahren, fahren und genießen das herbstliche Italien und merken nicht, dass unsere Navigation umspringt und schwups sind wir anstatt im gelben Molise im roten Kampanien gelandet – Augen zu und durch…Auch wenn es niemanden zu interessieren scheint, dass wir eigentlich nicht auf der Straße sein dürften, wollen wir es wenigstens zur Nacht ins orange Apulien schaffen – auch wenn es nur 5 m über die Grenze sind….Am Morgen werden wir in einer wunderschönen Landschaft wach und da die Nachrichten aus Griechenland nun doch umschlagen, legen wir einen Bedenktag ein… …und genießen uns, die Ruhe und die Landschaft! War das nicht eh das Ziel? Die momentane Frage aller Fragen: Griechenland ja oder nein? Und wenn ja, wann??? Die Ideen darüber verändern sich stündlich…
Im pittoresken Torre Alfina haben wir den perfekten Schlafplatz für die kommenden Tage gefunden. Wunderschöne, mittelalterliche Gässchen laden zum Versteckspiel ein, der Ausblick von der Burg ist grandios und das Dorf hat trotz seiner Winzigkeit tatsächlich noch eine Bar, einen Bäcker, einen kleinen Metzger und Supermarkt. Die engen Gassen sind alle mit bunt bemalten Paletten bestückt, die hunderte Blumentöpfe mit verschiedensten Blumen und Pflanzen beherbergen.WunschbrunnenEine weitere Nacht stehen wir 2km unterhalb Torre Alfinas, am geschlossenen Blumenmuseum, mitten im Wald. Die Wanderwege sind zum Glück begehbar und führen uns durch eine zauberhaften Herbstwald. Wir finden Steinpilze, Birnen und Beeren und jede menge Eicheln…. Katinka liebt Eicheln!Ein Birnbaum mitten im WaldUnd das erste Mulima Sauerteigbrot wird gebacken und genossenWir stehen noch eine Nacht am schönen Lago die Bolsena, beschließen dann jedoch, durch die sich zuspitzende Corona Lage in Italien, schneller als geplant Richtung Bari und einer Fähre nach Griechenland zu fahren. Es liegen noch knapp 600 km durch orange-rotes Italien vor uns…
Wir haben wunderschöne Wochen bei Christian in Reggioli verbracht – durften in die Olivenernte schnuppern, den super Erntehelfertrupp mit Mittagessen versorgen und uns an ihrer Gemeinschaft erfreuen, das köstlich frische Olivenöl genießen und in dieser Blase so tun, als ob es kein Corona gäbe.. Trotz allem begann es wieder zu kribbeln.. Erst bei mir, dann auch bei Sam! Zu früh kam dieser idyllische Platz, wir wollen doch noch so viel mehr sehen und entdecken. Auch sehnen wir uns nach mehr Familienzeit! Wir entscheiden zu gehen und dann kommt die Nachricht, dass die Toskana im italienischen Corona-Ampelsystem von gelb nach orange wechselt, was deutliche Bewegungseinschränkungen mit sich bringt.
Mit einem lachenden und einem weinenden Auge verabschieden wir uns von all den lieben Menschen und Reggioli und fahren schnell ins südliche, noch gelbe Latio. Wir wissen, dass wir wieder kommen werden und wir einen Herzensplatz gefunden haben, aber jetzt darf es wieder etwas mehr Abenteuer sein!
Reinschnuppern in die Olivenernte – alles per Hand
Jeden Mittag koche ich, mit lieber Unterstützung von Anna, Irene oder Sabine, für die 20-30 Menschen in und um die Olivenernte, abends wird durchgewechselt und wir dürfen uns an den gedeckten Gemeinschaftstisch setzen
Fast 100 kg Kastanien wurden verkauft, einige haben wir für eine Woche in Wasser gelegt und somit länger haltbar gemacht und der wurmige Rest liegt hier zum Trocknen für den Esel und die Pferde