Erst stand Italien so gar nicht auf unserem Reiseplan und jetzt geniessen wir es sehr und sind froh, nicht gleich nach Griechenland übergesetzt zu sein. Das Reisen scheint in diesen Zeiten dort auch nicht wirklich leicht zu sein und wir können uns hier doch sehr frei bewegen. Und den südlichsten Punkt des Absatzes möchten wir uns natürlich nicht entgehen lassen!
Und jetzt steht Mulima hier am Leuchtturm, an dem es sonst von Touristen wimmelt und wir sicherlich niemals so frech, direkt am Aussichtspunkt mit Blick auf Santa Maria di Leuca, hätten nächtigen können!
Der morgendliche Ausblick – fast bis nach Tunesien 🙂
Nach Matera zieht es uns ans Meer und wir möchten den Stiefelabsatz erkunden!
Leider ist der erste Platz, nördlch von Taranto, unglaublich vermüllt und nach einer Nacht und einer Runde Sand buddeln fahren wir weiter. Uns erschreckt das Müllproblem im Süden Italiens. Teilweise sieht man bergeweise Müll, die schamlos in die Natur geworfen werden und öffentliche Plätze und Strände sind oft mit Plastikmüll übersäht..Bei Sturm erreichen wir einen kleinen, feinen Stellplatz mit Ministrand südlich von Taranto. Diesmal fast ohne Müll!
Am nächsten Tag werden wir mit Sonnenschein belohnt und können ausgiebig klettern, entdecken und sogar in den Wellen planschen.
Am ersten Dezember dürfen wir Plätzchen mit fantastischer Aussicht backen.
In Sant’Isidoro können wir wieder direkt am Meer stehen. Das Dorf ist wie ausgestorben und bis auf eine Bar und zwei Fischläden ist alles zu. Für uns vollkommen ausreichend, wir decken uns mit Miesmuscheln ein und sind dankbar üeberall ohne Probleme stehen und gehen zu können. Den Kindern gefallen die Stehplätze am Meer auch sehr gut. Das Wetter ist relativ stürmisch und durchwachsen, aber wenn die Sonne rauskommt, hat sie noch ordentlich Kraft und man kann auch weniger bekleidet planschen.. Zum Glück funktioniert die Heizung in Mulima wieder und wir haben mittlerweile ein relativ gutes System zum Trocknen der (Kinder)Kleidung im Badezimmer gefunden. Und eine heisse Dusche tut natürlich auch gut, wenn einer doch aus Versehen im Meer gelandet ist 😉Den nächsten Traumfleck finden wir südlich von Gallipoli. Ein abgelegener Parkplatz mit mehreren Zugängen zum traumhaften Strand und angrenzendem Kiefernwald für Spaziergänge und ausreichend Fangen spielen.Die Höhlen laden zum Verstecken und Spielen ein und Janosch geht vollkommen im Piratendasein auf!Ich finde sogar einen Moment um Yoga am Strand zu machen – nicht immer einfach, da die Kinder mich doch meistens aufspüren..Positiv muss hier noch das Müllmanagment erwähnt werden! Kinderleicht – wir sind begeistert und Janosch wird grosser MülltrennerNach 4 Tagen verabschieden wir uns von diesem schönen Fleck Erde, da wir Wasser tanken müssen und auch der Parkplatz sehr schattig ist und wir so die Sonnenenergie nicht nutzen können. Die Akkus müssen mal wieder aufgeladen werden – weiter geht’s zum südlichsten Punkt des Stiefelabsatzes!
Welch wunderschöne Stadt!!! Wir sind verzaubert und streifen zwei Tage durch die verwinkelten Gassen, klettern zur tibetanischen Hängebrücke und sind uns sicher, dass wir hierher nochmal zurück kehren werden, um dann hoffentlich in einem der momentan geschlossenen Restaurants einen Aperetivo zu geniessen!
“Altertümliche Wohnbauten, Höhlensiedlungen an den Felsenhängen einer karstigen Hochebene. Ein tiefes und beeindruckendes Tal (Tobel), das von einem Gebirgsbach durchflossen wird. Dächer, die als Boden weiterer Wohnbauten dienen. Ein dichtes Netz an Gassen und der Eindruck in einer Krippe herumzulaufen. Das alles ist Matera, in der Basilikata, 2019 Kulturhauptstadt Europas, deren Felsenkirchen und die weltweit berühmten „Sassi“ – altertümliche, im Felsen gegraben Wohnsiedlungen – 1993 in die World Heritage List der UNESCO aufgenommen wurden.”
Wir verabschieden uns von der pitoresken Altstadt und da leider die Wasserpumpe der Heizung kaputt ist, steht ein Besuch des Baummarktes und grossen Supermarkts im Industriegebiet an. Dort parken wir, ohne es zu realisieren, vor den Lautsprechern des Gartencenters mit seiner gigantischen Weihnachtsausstellung. Die kommenden Stunden und dann noch die Vormittagsstunden des darauffolgenden Tages werden wir mit der grandiosen Weihnachtsplaylist des Gartencenters beschallt und Janosch ist überglücklich die SEHR weihnachtliche Ausstellung 3 x besuchen zu dürfen – und ich bekomme doch tatsächlich Weihnachtsstimmung….
Wir fahren weiter südlich durch das karge, felsige Basilikata mit seinen schönen Bergdörfern. Die Wasserfälle in San Fele sind wegen Covid leider abgeriegelt und auch in das malerisch in Felswände gebaute Castelmezzano lässt man uns nicht hinein, wir werden direkt an der Dorfeinfahrt von einem freundlichen Polizisten mit Aktentasche unter dem Arm gestoppt. Die Aussicht auf das abgeriegelte Städtchen haben wir zum Glück zuvor geniessen können. Beim Reisen an sich, der Stellplatzsuche und den normalen Erledigungen in kleineren oder grösseren Städten merken wir weiter nichts von den Covid bedingten Reisebeschränkungen. Wir stehen aber auch meistens sehr abgelegen, besuchen keine Restaurants und sind durch die Kinder abends eh in Mulima und dadurch von Sperrstunden oder ähnlichem nicht betroffen. Nur die Maskenpflicht im Freien tangiert uns und macht Städtebesichtigungen dadurch nicht wirklich attraktiver.. Aber zum Eis darf man die Maske ja abnehmen! Wir geniessen diese wenig besiedelte Provinz Italiens und Mulima bringt uns an wunderschöne Orte!
Stellplatz in der Nähe von CastelmezzanoCastelmezzanoGrassanoLago di San Giuliano (kurz vor Matera)
Unschlüssig wie es weiter gehen soll, haben wir beschlossen einfach langsam nach Süden zu fahren und die Situationen in den möglichen Reisezielen (Griechenland oder Sizilien) zu beobachten und dann zu gegebenen Zeitpunkt nach Osten oder Westen weiter zu reisen. Basilikata erscheint uns entspannt (trotz orangener Einstufung) und lockt mit einsamen Gegenden, Sehenswürdigkeiten und Meer – warum also nicht…
Unser erstes Ziel ist der Vulkansee Lago di Monticchio Grande. Es regnet, wir erledigen noch notwendige Einkäufe, die Wassersuche gestaltet sich schwierig und die Stimmung ist etwas am Kippen, als wir zunächst den erloschen Vulkan hoch und dann durch die spektakuläre Herbstlandschaft wieder herunter zum See fahren. Alles verlassen, zu und etwas gespenstisch. Wir fahren einmal um die zwei Seen auf der Suche nach einem schönen Stellplatz, sind am diskutieren, Katinka beginnt zu weinen, Janosch ist langsam genervt und wir auch. Es wird dunkel, also schrauben wir unsere Ansprüche herunter , wählen einen befestigten Waldweg aus, oh oder doch die angrenzende und scheinbar befestigte Wiese … und schon beim drauf fahren merken wir, dass diese doch etwas weicher als gedacht ist. Egal, jetzt stehen wir, erstmal durchatmen. Eine Runde raus, zum See laufen, etwas essen.. Und dann doch nochmal schauen, ob wir anders stehen können und da fangen die Räder an sich in die Wiese zu graben. Mist.. Sam versucht es noch mit unseren tollen GFK Blechen und beginnt schon mal zu graben, aber es regnet immer doller und ist mittlerweile dunkel. Naja, dann stehen wir heute eben etwas schief. Morgen ist ein neuer Tag..
Der nächste Morgen: Sam buddelt und füllt auf und gibt sein Bestes!Die Kinder helfen Kies zu sammeln. Mit Kies, Holz und Steinen versuchen wir aufzufüllen und Stabilität zu erlangen. Ein Mann hält zwischendurch und rät uns die Feuerwehr zu rufen. Noch ist der Stolz zu groß, aber am frühen Nachmittag sehen wir ein, dass wir vielleicht doch Hilfe brauchen. Es dauert nicht lang und die liebe, ansässige Feuerwehr kommt uns entspannt und freundlich zu Hilfe – für Janosch (und uns) ein Riesenspektakel!! Einige Versuche braucht es und letztendlich gelingt es mit unserem kinetischen Abschleppseil Mulima wieder auf festen Grund zu befördern. Was für ein Abenteuer…
Die Feuerwehrmänner freuen sich über ein Stück des selbst gebackenen Schokokuchens des Vorabends, wir packen ein und finden im Hellen, nur wenige hundert Meter weiter einen super Stellplatz direkt neben einer Wasserquelle und entdecken von hier aus die fantastische Herbstlandschaft im Vulkan!
Wir fahren, fahren und genießen das herbstliche Italien und merken nicht, dass unsere Navigation umspringt und schwups sind wir anstatt im gelben Molise im roten Kampanien gelandet – Augen zu und durch…Auch wenn es niemanden zu interessieren scheint, dass wir eigentlich nicht auf der Straße sein dürften, wollen wir es wenigstens zur Nacht ins orange Apulien schaffen – auch wenn es nur 5 m über die Grenze sind….Am Morgen werden wir in einer wunderschönen Landschaft wach und da die Nachrichten aus Griechenland nun doch umschlagen, legen wir einen Bedenktag ein… …und genießen uns, die Ruhe und die Landschaft! War das nicht eh das Ziel? Die momentane Frage aller Fragen: Griechenland ja oder nein? Und wenn ja, wann??? Die Ideen darüber verändern sich stündlich…
Im pittoresken Torre Alfina haben wir den perfekten Schlafplatz für die kommenden Tage gefunden. Wunderschöne, mittelalterliche Gässchen laden zum Versteckspiel ein, der Ausblick von der Burg ist grandios und das Dorf hat trotz seiner Winzigkeit tatsächlich noch eine Bar, einen Bäcker, einen kleinen Metzger und Supermarkt. Die engen Gassen sind alle mit bunt bemalten Paletten bestückt, die hunderte Blumentöpfe mit verschiedensten Blumen und Pflanzen beherbergen.WunschbrunnenEine weitere Nacht stehen wir 2km unterhalb Torre Alfinas, am geschlossenen Blumenmuseum, mitten im Wald. Die Wanderwege sind zum Glück begehbar und führen uns durch eine zauberhaften Herbstwald. Wir finden Steinpilze, Birnen und Beeren und jede menge Eicheln…. Katinka liebt Eicheln!Ein Birnbaum mitten im WaldUnd das erste Mulima Sauerteigbrot wird gebacken und genossenWir stehen noch eine Nacht am schönen Lago die Bolsena, beschließen dann jedoch, durch die sich zuspitzende Corona Lage in Italien, schneller als geplant Richtung Bari und einer Fähre nach Griechenland zu fahren. Es liegen noch knapp 600 km durch orange-rotes Italien vor uns…
Wir haben wunderschöne Wochen bei Christian in Reggioli verbracht – durften in die Olivenernte schnuppern, den super Erntehelfertrupp mit Mittagessen versorgen und uns an ihrer Gemeinschaft erfreuen, das köstlich frische Olivenöl genießen und in dieser Blase so tun, als ob es kein Corona gäbe.. Trotz allem begann es wieder zu kribbeln.. Erst bei mir, dann auch bei Sam! Zu früh kam dieser idyllische Platz, wir wollen doch noch so viel mehr sehen und entdecken. Auch sehnen wir uns nach mehr Familienzeit! Wir entscheiden zu gehen und dann kommt die Nachricht, dass die Toskana im italienischen Corona-Ampelsystem von gelb nach orange wechselt, was deutliche Bewegungseinschränkungen mit sich bringt.
Mit einem lachenden und einem weinenden Auge verabschieden wir uns von all den lieben Menschen und Reggioli und fahren schnell ins südliche, noch gelbe Latio. Wir wissen, dass wir wieder kommen werden und wir einen Herzensplatz gefunden haben, aber jetzt darf es wieder etwas mehr Abenteuer sein!
Reinschnuppern in die Olivenernte – alles per Hand
Jeden Mittag koche ich, mit lieber Unterstützung von Anna, Irene oder Sabine, für die 20-30 Menschen in und um die Olivenernte, abends wird durchgewechselt und wir dürfen uns an den gedeckten Gemeinschaftstisch setzen
Fast 100 kg Kastanien wurden verkauft, einige haben wir für eine Woche in Wasser gelegt und somit länger haltbar gemacht und der wurmige Rest liegt hier zum Trocknen für den Esel und die Pferde
Nach dem ich die letzten Tage mehrere Anfragen erhielt, ob es uns denn gut ginge, fiel mir auf, dass wir tatsächlich schon über zwei Wochen nichts von uns haben hören lassen.
In diesem Fall ein gutes Zeichen!
Wie angekündigt sind wir nach unserem Aufenthalt im schönen Brisighella Richtung Siena/Toskana gefahren. Nach vielen Hügeln und wunderschöner Landschaft, war nur noch eine 2,5 km lange Schotterstraße mit einigen Tücken zu überwinden, bis wir bei Reggioli und Christian ankamen (www.reggioli.org/de/). Absolut abgelegen auf einem Berg, eingebettet in wunderschöne Laub-, Pinien- und Kastanienwäldern liegt sein Hof mit Aussicht auf die toskanische Ebene und den Monte Amiata.
Getrennt von seiner Frau managt Christian hier momentan das Agriturismo und den Hof alleine, hat aber ständig Helfer und Freidenker vor Ort und die Vision, hier ein Ökodorf entstehen zu lassen. Am Wochenende kommen regelmäßig seine 3 sympathischen Wildfang-Kinder (6/9/10) auf den Hof und bringen nochmal extra Leben in die Bude!
Wir haben oberhalb des Hofes, neben einer kleinen Ruine, einen schönen und einigermaßen ebenen Platz für Mulima gefunden und uns zügig an der Kastanienernte beteiligt. Mit Pferd, Esel oder zu Fuß geht es in den Wald und mit mittlerweile vollen Eimern (die Kastanien sind dieses Jahr später als sonst) wieder zurück zum sortieren. Bis auf den Tag, als der Esel plötzlich beschlossen hat, dass wir definitiv zu viele Kastanien gesammelt haben und sich mit samt Geschirr und Ernte auf den Sandweg gelegt hat und nicht mehr vom Fleck zu bewegen war, bis wir ihn von der Last befreit hatten..
Sam durfte die ersten Tage noch mit der Motorsense die Olivenbäume für die anstehende Ernte frei schneiden, bis Bagger, Traktor, Backofen und diverse Autos ihren Geist aufgaben und er jetzt inoffizieller Hofmechaniker geworden ist.
Gegessen wird gemeinsam, möglichst regional und saisonal, gerne aus dem eigenen Permakultur Garten und sicherlich mit Mengen an Parmesan und eigenem Olivenöl. Ich durfte meine ersten Sauerteigbrote backen und koche allgemein viel, da sich die „langweilige“ Kastanienernte mit den Kindern auf Dauer doch schwierig gestaltet..
Aber es gibt ausreichend Dinge zu tun: die Pferde müssen verpflegt und bewegt werden (da sage ich natürlich nicht nein und genieße jeden Ausritt und Moment mit den Pferden und Janosch mittlerweile auch), der Hof und Garten in Schuss gebracht, Katzen und Hase versorgt werden und wir als Familie wollen uns dabei natürlich auch nicht nur die Klinke in die Hand geben – manchmal eine Gratwanderung, aber wir arbeiten an uns! Es gefällt uns so gut und Christian und der Rest der wechselnden Truppe ist uns so ans Herz gewachsen, dass aus der geplanten Woche nun schon zwei geworden sind und auch sicherlich noch mindestens eine folgt.
Durch die abgeschiedene Lage, bekommt man von der Außenwelt nur mit, was man möchte und zulässt und ich war in den letzten Wochen tatsächlich nur einmal in der “Zivilisation” und das zum Besuch einer wunderschönen, freien Thermalquelle (Bagni di Petriolo). Und ich muss sagen, dass mir momentan nichts fehlt!
Wir leben im Moment, fallen abends müde und erfüllt ins Bett, müssen uns in dieser Blase hier keine (Corona) Sorgen machen und nehmen dieses Geschenk dankbar an! Wir sind gespannt, wann es wieder kribbelt und wir weiter ziehen. Die anstehende Olivenernte wollen wir auf alle Fälle noch mit beginnen. Dann wird es hier von Helfern wimmeln und wir sind gespannt, was diese Dynamik mit unserem ruhigen Platz unter dem Regenbogen machen wird..
Reggioli und seine Hügel haben uns definitiv schon einige Muskel(kater) beschert
Jolan freut sich über gesammelte Eicheln
Mit Peppito auf dem Weg in den toskanischen Zauberwald
Hier kann man tolle Tipis bauen
Gemeinsames Essen
Kastanienernte mit Anna und Jolan
Fleißige Sortierhelfer
Juchu, der Traktor läuft wieder
Ich bevorzuge doch die Pferde – so wunderschön diese Landschaft so erkunden zu können..
Baum-Erdbeeren-Ernte (auch als Meerkirsche oder Hagapfel bekannt) mit Pioggia
Mir war diese Frucht unbekannt, aber sie schmeckt leicht süßlich und lecker und eignet sich super für Marmelade. Die Beeren reifen bis Dezember und die Bäume hängen voll, da werden sich noch einige Gläser gefüllt!
Mittagessen mit traumhafter Aussicht – danke Sonne, danke Erde, euer nie vergessen werde!
Heute haben wir das wunderschöne Städtchen Brisighella (Partnerstadt von Zwingenberg!) erkundet! Treppauf und treppab durch die verwinkelten Gässchen und zwei der drei bebauten Hügel mit Uhrenturm und Festung erklommen. Wir sind so froh, dass Janosch so super und enthousiastisch läuft, da macht so ein Ausflug nochmal mehr Spaß 🌞