
Nach dem ich die letzten Tage mehrere Anfragen erhielt, ob es uns denn gut ginge, fiel mir auf, dass wir tatsächlich schon über zwei Wochen nichts von uns haben hören lassen.
In diesem Fall ein gutes Zeichen!
Wie angekündigt sind wir nach unserem Aufenthalt im schönen Brisighella Richtung Siena/Toskana gefahren. Nach vielen Hügeln und wunderschöner Landschaft, war nur noch eine 2,5 km lange Schotterstraße mit einigen Tücken zu überwinden, bis wir bei Reggioli und Christian ankamen (www.reggioli.org/de/). Absolut abgelegen auf einem Berg, eingebettet in wunderschöne Laub-, Pinien- und Kastanienwäldern liegt sein Hof mit Aussicht auf die toskanische Ebene und den Monte Amiata.
Getrennt von seiner Frau managt Christian hier momentan das Agriturismo und den Hof alleine, hat aber ständig Helfer und Freidenker vor Ort und die Vision, hier ein Ökodorf entstehen zu lassen. Am Wochenende kommen regelmäßig seine 3 sympathischen Wildfang-Kinder (6/9/10) auf den Hof und bringen nochmal extra Leben in die Bude!
Wir haben oberhalb des Hofes, neben einer kleinen Ruine, einen schönen und einigermaßen ebenen Platz für Mulima gefunden und uns zügig an der Kastanienernte beteiligt. Mit Pferd, Esel oder zu Fuß geht es in den Wald und mit mittlerweile vollen Eimern (die Kastanien sind dieses Jahr später als sonst) wieder zurück zum sortieren. Bis auf den Tag, als der Esel plötzlich beschlossen hat, dass wir definitiv zu viele Kastanien gesammelt haben und sich mit samt Geschirr und Ernte auf den Sandweg gelegt hat und nicht mehr vom Fleck zu bewegen war, bis wir ihn von der Last befreit hatten..
Sam durfte die ersten Tage noch mit der Motorsense die Olivenbäume für die anstehende Ernte frei schneiden, bis Bagger, Traktor, Backofen und diverse Autos ihren Geist aufgaben und er jetzt inoffizieller Hofmechaniker geworden ist.
Gegessen wird gemeinsam, möglichst regional und saisonal, gerne aus dem eigenen Permakultur Garten und sicherlich mit Mengen an Parmesan und eigenem Olivenöl. Ich durfte meine ersten Sauerteigbrote backen und koche allgemein viel, da sich die „langweilige“ Kastanienernte mit den Kindern auf Dauer doch schwierig gestaltet..
Aber es gibt ausreichend Dinge zu tun: die Pferde müssen verpflegt und bewegt werden (da sage ich natürlich nicht nein und genieße jeden Ausritt und Moment mit den Pferden und Janosch mittlerweile auch), der Hof und Garten in Schuss gebracht, Katzen und Hase versorgt werden und wir als Familie wollen uns dabei natürlich auch nicht nur die Klinke in die Hand geben – manchmal eine Gratwanderung, aber wir arbeiten an uns! Es gefällt uns so gut und Christian und der Rest der wechselnden Truppe ist uns so ans Herz gewachsen, dass aus der geplanten Woche nun schon zwei geworden sind und auch sicherlich noch mindestens eine folgt.
Durch die abgeschiedene Lage, bekommt man von der Außenwelt nur mit, was man möchte und zulässt und ich war in den letzten Wochen tatsächlich nur einmal in der “Zivilisation” und das zum Besuch einer wunderschönen, freien Thermalquelle (Bagni di Petriolo). Und ich muss sagen, dass mir momentan nichts fehlt!
Wir leben im Moment, fallen abends müde und erfüllt ins Bett, müssen uns in dieser Blase hier keine (Corona) Sorgen machen und nehmen dieses Geschenk dankbar an! Wir sind gespannt, wann es wieder kribbelt und wir weiter ziehen. Die anstehende Olivenernte wollen wir auf alle Fälle noch mit beginnen. Dann wird es hier von Helfern wimmeln und wir sind gespannt, was diese Dynamik mit unserem ruhigen Platz unter dem Regenbogen machen wird..

Reggioli und seine Hügel haben uns definitiv schon einige Muskel(kater) beschert 
Jolan freut sich über gesammelte Eicheln 
Mit Peppito auf dem Weg in den toskanischen Zauberwald 
Hier kann man tolle Tipis bauen 
Gemeinsames Essen 
Kastanienernte mit Anna und Jolan 
Fleißige Sortierhelfer 
Juchu, der Traktor läuft wieder 
Ich bevorzuge doch die Pferde – so wunderschön diese Landschaft so erkunden zu können.. 
Baum-Erdbeeren-Ernte (auch als Meerkirsche oder Hagapfel bekannt) mit Pioggia 
Mir war diese Frucht unbekannt, aber sie schmeckt leicht süßlich und lecker und eignet sich super für Marmelade. Die Beeren reifen bis Dezember und die Bäume hängen voll, da werden sich noch einige Gläser gefüllt! 
Mittagessen mit traumhafter Aussicht – danke Sonne, danke Erde, euer nie vergessen werde!


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